Historie

Die Gründerjahre von 1907 bis 1918 

„Mit dem heutigen Tage wurde 

Der Fußballclub „Borussia“ gegründet“

Mit dieser Anzeige wurde die Geschichte der heutigen SV 07 Eschwege eingeleitet. 

Nicht unproblematisch zur damaligen Zeit war die Gründung eines Fußballclubs. War es doch eine Sportart, die in der damaligen „wilhelminischen“ Zeit alles andere als einen Volkssport darstellte, der die Massen begeisterte. Die vorherrschende öffentliche Meinung konnte an dieser Sportart, die doch im krassen Gegensatz zu dem praktizierten Sporttreiben in Schulen und Vereinen stand, anfangs nichts abgewinnen. War doch der Sport der damaligen Zeit eher in Turn-, Frei- und Ordnungsübungen organisiert, die vorschriftsmäßig und auf Befehl vollzogen werden mussten. 

Der Fußballsport wurde vielfach noch als wildes, ungeordnetes, ja verrücktes Sporttreiben gesehen. In diesem Zusammenhang fielen auch Bezeichnungen wie „Fußstoßlümmel“. Auch aus ästhetischen Gesichtspunkten „Die Bewegung des Tretens ist aber auch auf die bloße Form hin angesehen schon hässlich“, wurde dieser Sportart überwiegend abgelehnt. Nichtsdestotrotz erfolgte die Gründung des ersten Eschweger Fußballvereins. 

Aber auch die Trikots dieser ersten Eschweger Fußballmannschaft sind mit denen unserer heutigen Teams nicht annähernd zu vergleichen. Zu schwarz-weiß-roten Blusen wurden lange Kniehosen getragen. Knallgelbe Fußballstiefel rundeten das farbenfrohe Bild ab. Und natürlich durfte damals auch eine Kopfbedeckung – ein Käppi – nicht fehlen. Und es gab natürlich auch einen Mannschaftsführer. Dessen äußere Erkennbarkeit war meist durch eine goldene Schärpe gegeben. So ausgerüstet und der Widerstände erwartend, hatten man die ersten öffentlichen Auftritte, die auf dem kleinen Werdchen und Bleichplatz, zwischen den Bleichpfählen stattfanden. 

Alsbald sollte auch das erste Spiel folgen. Hermannia Kassel hieß Ostern 1908 der erste Gegner, dem die Borussia aus Eschwege mit 0:24 unterlag. All das konnte aber den Trend zum Fußball in Deutschland und somit auch in Eschwege nicht aufhalten. Mit Schweineblasen, leeren Büchsen und ähnlichem wurde Fußball gespielt. 

In den folgenden Jahren gründeten sich dann weitere Eschweger Fußballvereine, so folgte am 06.11.1908 der Sportclub Eschwege 08, die ihr erstes Spiel am 28.02.1909 auf den Döhleschen Wiesen an der Grebendorfer Landstraße austrugen. Gegner war die Borussia Eschwege, das Ergebnis wird bis heute verschwiegen. Weitere Vereine sollten folgen, wie der FV Merkur Eschwege und der FC Adler 1909. 

1911 wird der Verein FC Teutonia gegründet, 1912 folgten mit dem FC Britania ein sechster und wieder ein Jahr später ein siebter Eschweger Verein, der Sportclub 1913. FC Teutonia 1911 sollte in dieser Zeit die Vormachtstellung innehaben und gewann 1913 die Stadtmeisterschaft. 

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges sollte die aufstrebende Sportart „Fußball“ langsam zum Erliegen kommen. Durch die Einberufung der Spieler ging eine Vereinsauflösung einher; als dann die jüngeren Jahrgänge ebenfalls einberufen wurden, endete 1916 die „Eschweger Fußballzeit“. 

Auszug aus der Anzeige des Eschweger Tageblatts zur Vereinsgründung am 26.06.1907 

Zwischen den Weltkriegen 

Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges kommt es auch in Eschwege zu einer Wiederbelebung der fußballerischen Aktivitäten. Bis auf zwei Vereine (Merkur und Britania) tauchen alle Vereine wieder auf. Neu gegründet wird die Spielbewegung 1919. 

Das erste Spiel nach Kriegsende findet in Eschwege am 02.03.1919 zwischen Teutonia 1911 und dem Sportverein 08 (2:0) statt. Die „Teutonen“ sind in dieser Zeit auch die Mannschaft, die in Eschwege den Ton angibt. Durch den Krieg herrschte in Eschwege ein erheblicher Nachholbedarf in Sachen Fußball, so traten die Eschweger Vereine 1919 zu 96 Spielen an. 

Am 10.11.1919 kommt es dann zu einem ersten Zusammenschluss von Fußballvereinen in Eschwege. „Borussia 07“ und „Teutonia 1911“ bilden den „Verein für Rasenspiele 1907“. 

Das Jahr 1920 bringt dann eine weitreichende organisatorische Veränderung für die Eschweger Fußballszene. Georg Holzapfel gelingt es, die Vereinsführungen der „Adler 09“, „Sport 08“, „Rasenspiele 07“ und „Spielbewegung 1919“ zwecks Vereinigung an einen Tisch zu bekommen. So wurde im August 1920 die „Spielervereinigung“ aus der Taufe gehoben. Die neu gegründete Eschweger Mannschaft wurde dann der Ligaklasse zugeordnet und spielte in der Südhannoverschen Kreisliga. Dies war in der Saison 1920/1921 die höchste Spielklasse. 

Aber nicht alles lief nach dem Zusammenschluss friedlich weiter. Auch damals gab es oppositionelle Bewegungen, worauf 1921 der „Adler 09“ und 1922 die „Borussia 07“ aus der Spielgemeinschaft ausschieden. Die Spielvereinigung schloss sich damals dem Arbeiter-, Turn- und Sportbund an und es folgte ab 1923 die wohl erfolgreichste Eschweger Fußballzeit. Siege im Serienspielbetrieb, Erfolge gegen Mannschaften aus ganz Deutschland und internationale Vergleiche zeugten von dieser „goldenen Zeit“. Neben bekannten Eschweger Produkten (Bier, Zigarren, Leder) gab es nun auch Eschweger Fußballer, die auf sich aufmerksam machten. 

1925 gelingt die Kurhessenmeisterschaft nach einem 2:0 Sieg gegen Eintracht Cassel. Die folgende nordwestdeutsche Meisterschaft wurde in der Verlängerung knapp mit 1:2 gegen Düsseldorf-Geresheim verloren. Als Gäste in Eschwege durfte man unter anderem Mannschaften wie den SV Bremen, Sportfreunde Magdeburg, BSV München, RSpV Dortmund und „Lorbeer Hamburg“ begrüßen. Letztere traten mit Erwin Seeler an, dessen Sohn Uwe Seeler auch der heutigen Generation noch ein Begriff sein dürfte. 

Internationales Flair zog in Eschwege ein, als Ostern 1927 der Schweizer Meister „ASC Basel“ in Eschwege antrat. Vor 6.000 Zuschauern verloren die Eschweger dieses Spiel knapp mit 2:3. Der österreichische Landesmeister „Wien-Liesing“ gab sich 1928 die Ehre; dieses Spiel wurde mit 0:1 ebenfalls knapp verloren. Gegen den tschechischen Meister Teplitz gelang dann ein 3:3. 

Ab 1929 sorgten dann die wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung in Deutschland für Wirren und sportliche Veränderungen in Eschwege. Fakt bleibt, dass 1932 neben der Spielvereinigung Eschwege, drei weitere Vereine (Sportclub, Ballspielverein und Vorwärts Eschwege) bestehen. 

1933 nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten kommt es zur Gleichschaltung der Eschweger Vereine. Hieraus resultiert dann der Verein „Sportclub Eschwege e.V. Ballspielvereinigung“. 

Im September 1933 wird der „Fußballkreis Meißner“ gebildet, der die Vereine des Kreises Witzenhausen und Eschwege umfasst. Neue Impulse erfährt der  Eschweger Fußball, nachdem Eschwege Garnisonsstadt wird und der Eschweger Verein sich mit guten fußballspielenden Soldaten verstärken kann. Dies führt 1938 zu Siegen über den Kurhessenmeister CSC 03 Kassel (2:1) und den 1 FC Nürnberg (1:0). 

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges war dann auch in Eschwege der Fußballsport praktisch zum Erliegen gekommen. 

Die Nachkriegszeit 

1945 treffen sich im Vereinslokal „Zur Traube“ einige junge Leute, um über den Neuanfang des Eschweger Fußballs zu diskutieren. Aber so einfach, wie man sich dies vorstellte, war es nicht, da die amerikanische Besatzungsmacht einen Verein für Eschwege als ausreichend befand. Somit wurde am 04.02.1946 der „Turn- und Sportverein 1946 Eschwege“ genehmigt. Die Spielzeit 1946/47 kann aus sportlicher Sicht als „durchwachsen“ eingestuft werden. Erst mit der Saison 1948/49 erfährt die Eschweger Fußballszene eine Veränderung, die langfristig von Bedeutung sein sollte, denn mit dem „TV 1861 Eschwege“ tritt ein weiterer Fußballverein auf die Bühne. 

Und auch in den nächsten Monaten wird heftig darüber diskutiert, wie man dem Eschweger Fußball neue Impulse verleihen kann. Versuche einer Spielgemeinschaft mit den Vereinen „Eintracht“ und „TV 1861“ scheiterten. Am 04.07.1950 wurde dann der „FSV Eschwege“ gegründet, dem sich die gesamte Fußballabteilung des „TV1861“ anschloss. 

Am 19.01.1951 fand dann die Jahreshauptversammlung der „Eintracht“ im Frankfurter Hof statt. Und es zeigten sich in dieser Versammlung Probleme auf, die auch für die heutige Zeit nicht ganz unbekannt sein dürften. Mangelnde Trainingsbeteiligung, Abwanderung von Spielern sowie finanzielle Engpässe waren die Schwerpunktthemen dieser Versammlung. Daraus resultierte dann der einstimmige Entschluss, dass eine Hebung und Förderung des Eschweger Fußballsports nur noch durch einen Zusammenschluss möglich ist. 

Es folgten die Loslösung der Fußballabteilung „Eintracht“ aus der Turn- und Sportgemeinde sowie die Auflösung des FSV Eschwege. Am 30.01.1951 findet dann die Gründung des neuen Vereins statt. Dieser trägt nun den Namen „Spielvereinigung 07 Eschwege“. Die Vereinsfarben sind blau-weiß mit dem Dietemann als Wappen auf dem Dress. 

Mit der Traube (Monatsversammlungen und Umkleiden) und dem Frankfurter Hof (Spielersitzungen) hatten man gleich zwei Vereinslokale. 

Das erste Spiel der neuen Spielvereinigung fand am 04.02.1951 gegen Harleshausen (1:1) statt. Vier Wochen später kam es dann auf dem Werdchen vor 650 Zuschauern zu der Begegnung gegen den Spitzenreiter „Olympia Kassel“. Diese endete mit einem 2:2 Unentschieden. 

Die nun folgenden Jahre waren von einem ständigen Auf und Ab geprägt. Die neue Spielvereinigung stieg in der Spielzeit 1952/53 in die A-Klasse ab, schaffte aber bereits in der darauffolgenden Saison wieder den Aufstieg in die Bezirksklasse, damals auch 2 Amateurliga genannt. Diese konnte man aber auch nicht lange halten, sodass man wieder abstieg und das 50-jährige Vereinsjubiläum als A-Ligist begehen musste. In dieser „sportlich wechselhaften Zeit“ gab es dann aber auch Lichtblicke, die durch die Jugendmannschaften der „Spielvereinigung 07“ gesetzt wurden, so erreichte in der Saison 1954/55 die B-Jugend die Bezirksmeisterschaft. 

„50 Jahre Fußball in Eschwege“ lautete der Titel der Festschrift zum Jubiläum, in dem auch kritische Worte nicht fehlten. So wird das ständig gesunkene Niveau des Eschweger Fußballsports angesprochen und schon damals ein Grund angeführt, der heute aktueller denn je ist. Fehlende berufliche Perspektiven für junge Leute (damals noch Zonenrandgebiet) führten zu Abwanderungen talentierter Spieler. 

Im Jubiläumsjahr setzte der Verein dann auf eine junge Mannschaft, deren Durchschnittsalter 19 Jahre betrug. Der sportliche Höhepunkt der Jubiläumsfeiern war dann ein Spiel der „verstärkten“ Eschweger Mannschaft gegen Hannover 96. Vor 3.500 Zuschauern unterlagen die Eschweger nach tapferem Kampf gegen die 96er mit 0:5. 

Im Jubiläumsjahr waren sieben Mannschaften (1. Mannschaft, Reserve, Alte Herren, A-Jugend, B-Jugend, 1. Schüler- und 2. Schülermannschaft). Die Reservemannschaft war es dann, die im Jubiläumsjahr die Meisterschaft in der B-II-Klasse gewann. Und auch die Schülermannschaft war erfolgreich. Sie gewann die erstmals durchgeführte Schüler-Fußball-Kreismeisterschaft. 

Die Saison 1959/60 bringt dann den bis dato sportlichen Tiefpunkt. Nach einer 2:3 Niederlage gegen Großalmerode vor rund 1.000 Zuschauern war der Abstieg in die B-Klasse besiegelt. 

Die 60er und 70er Jahre 

Doch bereits ein Jahr später schaffte die Spielvereinigung 07 Eschwege den Wiederaufstieg. Das Entscheidungsspiel gegen die Mannschaft aus Niederhone wurde vor 1.700 Zuschauern mit 8:2 gewonnen. 

1963 organisierte der Verein das 1. Internationale A-Jugendturnier. Die Namen der teilnehmenden Mannschaften lassen sich durchaus hören: Kickers Offenbach, FSV Frankfurt, Göttingen 05, Sportclub Rotterdam und Essex aus England nahmen an diesem Turnier teil. 

Und 1967 war es dann wieder soweit. Das 60-jährige Jubiläum stand an. In diesem Zusammenhang wurde von einem systematischen Neuaufbau, auf Basis einer großen Jugendabteilung gesprochen. Als „Jubiläumsgegner“ wurden die Amateure von Eintracht Braunschweig verpflichtet (1:8). „07 wird wiederkommen, auch spielerisch“, war das Schlusswort des damaligen Vorsitzenden Herbert Loewe. Und er sollte Recht behalten. Bereits ein Jahr später folgte der Aufstieg in die Bezirksklasse, der heutigen Bezirksoberliga. In den folgenden Jahren folgen einige Trainerwechsel, weitere Spieler verließen den Verein, was zur Folge hatte, dass in der Saison 1973/74 wieder ein Abstieg in die A-Klasse folgte. Mit Beginn der Saison 1975/76 kehrte Klaus Degenhardt vom VfB Gießen zurück nach Eschwege, wo er als Spielertrainer fungierte. 

1977 folgte dann das 70-jährige Bestehen, zu dessen Anlass ein 4-tägiges internationales Pfingstturnier für A- und B-Jugendmannschaften ausgerichtet wurde. Die 1. Mannschaft empfing zum Jubiläumsspiel den KSV Baunatal, der damals in der 2. Bundesliga spielte (1:7). Und in diesem Jubiläumsjahr gelang der Wiederaufstieg in die Bezirksklasse. 

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass es bei der SV 07 Eschwege auch eine Tischtennisabteilung gab. Diese wurde bereits 1959 gegründet und auch dieser Abteilung gelang im Jubiläumsjahr der Aufstieg in die Gruppenliga. 1979 löste sich die Tischtennisabteilung vom Verein und spielte als „TTV 79 Eschwege“ weiter. 

Die 80er und 90er Jahre

Ein ständiges Auf- und Ab begleitete die nächsten Jahre. 

Neben dem Festakt zum 75-jährigen Bestehen in der Stadthalle in Eschwege kam es zum Jubiläumsspiel mit dem KSV Hessen Kassel, das mit 1:6 verloren ging. 

1983 folgte dann der Abstieg aus der Bezirksklasse, der Wiederaufstieg gelang erst 1987, in dem Jahr, in dem das 80-jährige Bestehen gefeiert wurde. 

Veränderungen im Vereinsleben erfolgten 1989 zunächst aus politischen Gründen. Mit der Grenzöffnung am 09.11.1989 war es seit langer Zeit wieder möglich, sportliche Vergleiche mit Mannschaften auszutragen, deren Sportstätten unweit von Eschwege lagen, aber dennoch unerreichbar waren. Also lag nichts näher, als den ersten sportlichen Vergleich mit der Partnerstadt aus Mühlhausen auszutragen. Dieser fand am 12.12.89 auf der Eschweger Torwiese statt. Vor über 600 Zuschauern gewann der damalige DDR-Oberligist mit 3:2. 

Aber auch in der personellen Situation der SV 07 Eschwege brachte dies Veränderungen. Trainer und einige Spieler kamen aus dem benachbarten Thüringen und man verfolgte natürlich das Ziel, nicht nur die Bezirksoberliga (ab 1989/90, zuvor Bezirksliga) zu halten, sondern auch dort in Sachen Aufstieg ein Wörtchen mitzureden. Aber leider ging der Plan nicht auf. Es folgte der Abstieg in die Bezirksliga und 1993 sogar in die Kreisliga A. 

Erst 1996 gelang der Wiederaufstieg. Und mit der II. Mannschaft, der A-, E- und F-Jugend kamen weitere Mannschaften im Jahr 1996 zu Meisterehren. 

Die 2000er Jahre